Mobbing-Barachiel e.V.
Jedes Kind kann Opfer sein

Was tun wenn der Verdacht besteht?

Es sind meist kleine Hinweise, die auch auf Mobbing hindeuten könnten. Ich sage bewusst könnte... nicht das es so ist. Man muss zwischen kleinen Streitereien unterscheiden, zwischen kurzen Momenten des Desinteresses oder permanenter Ablehnung.

Sie als Eltern kennen ihr Kind genau und spüren wie es ihm geht. Sollte also entweder Bauch oder Kopf Alarm schlagen dann ignorieren Sie dies nicht! Lassen Sie sich erzählen wie ihr Kind das Schulgeschehen erlebt.
Hören sie bewusst auf die Namen die es nennt und beobachten sie die Mimik und Gestik. Notieren Sie sich Dinge die ihnen ungewöhnlich vorkommen oder schwer verständlich sind. Machen Sie nicht den Fehler zu sagen "Morgen sieht die Welt anders aus" oder "Das geht vorbei" das wird es nicht! Versprechen sie nicht die große Wende, oder verlangen von ihrem Kind Stärke und Zuversicht! Ihr Kind beweist schon unglaubliche Stärke wenn es sich Ihnen anvertraut. Bleiben sie äußerlich ruhig, es verunsichert ein Kind, wenn Eltern orientierungslos wirken. Beenden sie das Gespräch wenn ihr Kind sich unwohl fühlt oder abweisend reagiert. Es sind kleine Schritte, die gegangen werden müssen. Mit Zwang oder Drohungen wie z. B. "dann helfen wir eben nicht wenn du nicht mitmachst" werden Türen zugeschlagen die nicht ohne weiteres wieder geöffnet werden können. Mobbing greift die Seele an und macht ihr Kind unglaublich hilflos, es nimmt ihm seinen Stolz und seine Sicherheit .

Führen Sie prinzipiell Gespräche mit Lehrkräften ohne Ihre Kinder, denn für diese ist es unangenehm, peinlich und nicht förderlich für das ohnehin angeknackste Selbstbewusstsein.
Meistens reicht es völlig zu sagen: Ich bzw. wir kümmern uns! Fertig, keine Details. Die Aussage sollte ihren Sprössling für das Erste beruhigen.
Bevor Sie anrufen, beruhigen Sie sich nochmal innerlich, ich weiss es ist schwer, aber effektiv. Anschließend sollten Sie sich in das Bewussstsein rufen und hinterfragen, was möchte ich eigentlich?
Wenn Sie Frust und Wut abbauen möchten rufen Sie nicht an! Am besten Gesprächsnotizen anfertigen und überlegen was Ihnen am wichtigsten ist. Lehrer sind nur Menschen, nicht mehr und nicht weniger. Meistens sind diese noch hilfloser als wir Eltern. Es fehlt an Erfahrung und nach meinem Empfinden auch an Zeit, sich wirklich mit den Schülern zu beschäftigen; bestimmt gibt es Ausnahmen aber ich kann aus unserer Erfahrung von keinen berichten. Versuchen Sie freundlich aber bestimmt das Gespräch zu führen, mit den gravierendsten Veränderungen, die Ihnen an ihrem Kind aufgefallen sind. Sollte Ihr Gesprächspartner einiges davon selbst erkannt haben dann sollte die Frage: "Warum haben Sie sich deshalb nicht bei uns gemeldet" erlaubt sein. Natürlich verläuft jedes Gespräch anders, wichtig ist nur das Sie ganz klar zu Ihrem Kind Stellung beziehen. Lassen Sie sich nicht verunsichern mit Einwürfen über schlechte Arbeiten oder nicht angebrachten Verhalten. Wäre es wirklich massiv gewesen, hätte man sie darüber vorher schon in Kenntniss gesetzt. Besprechen Sie das Notwendigste und bitten um einen persönlichen Termin mit Lehrkraft und Direktion!

Es wäre ratsam wenn eine zweite Person als Begleiter dabei wäre, nehmen Sie sich was zu schreiben mit und bestehen Sie darauf das ein Gesprächsprotokoll angefertigt wird. (Das ist für weitere Schritte wichtig). Auch kann ich natürlich nicht ein komplettes Gespräch zitieren, da es immer wieder Individuell verläuft. Wichtig ist, klar zu machen, das Sie die Interessen ihres Kindes vertreten. Es sollte natürlich auch im Sinne der Pädagogen und des Schulsystems sein, dass jedes Kind angstfrei die Schule besuchen kann und sich in Sicherheit fühlt.
Manchmal reicht es, sich mit der Schule in Verbindung zu setzen, aber erfahrungsgemäß ist dies die große Ausnahme. Bei uns waren es 12 Gespräche... alle ohne Erfolg! Gehen wir mal davon aus, dass es nichts gebracht hat, wie könnte es weiter gehen?! Alle Verletzungen, auch blaue Flecken, Kratzer und andere "Kleinigkeiten" die ihrem Kind widerfahren sind durch diverse Übergriffe, sollte man sich vom Hausarzt attestieren lassen, da es aktenkundig werden muss. Ebenfalls melden Sie es direkt in der Schule, verlangen Sie, dass es in der Schulakte dokumentiert wird.

Vergessen Sie bei all den Behörden- und Arztgängen nicht Ihr Kind!
  Suchen Sie Zeit und Raum um Ihrem Kind immer wieder zu verdeutlichen ich bzw. wir sind für dich da. Vielleicht bemerken Sie das die Konzentration bei dem Kind nachlässt, es orientierungslos und sehr vergesslich wirkt... Schnell mit Kleinigkeiten überfordert ist und viel weint. Es können auch Schlafstörungen auftauchen.
Das hat einen relativ einfachen Grund, den ich mit einem Zitat unseres Psychologen erklären möchte: "Wenn man jeden Tag damit rechnen muss, dass hinter einer Ecke sein Mörder steht, ist Mathe vollkommen unwichtig!"

Die Angst nimmt soviel Platz im Kopf ein, dass kein anderer Gedanke Raum findet. Sowohl Eltern als auch die betroffenden Kinder beschäftigen sich ständig, was passieren kann. Gerade Kinder bleiben permanent wachsam und lassen sich selber nicht mehr los.
Das ganze Immunsystem wird durch den Stress außer Gefecht gesetzt, die Leukozyten (weisse Blutkörperchen) verringern sich. Um sicher zu gehen kann jeder Hausarzt ein Blutbild erstellen um zu dokumentieren wie es dem Kind innerlich ergeht.
Unserem Kind ging es beispielsweise so schlecht, dass es direkt von der Schule befreit werden musste. Auch das Herz wird natürlich durch Stress beansprucht, eine Überweisung zum Kinderkardiologen bringt Gewissheit.
Auch dort haben wir eine negative Diagnose erhalten, Störungen in der rechten Herzkammer.
Alle Dokumente sollten in der Schule eingereicht werden, um direkt die Möglichkeit im Keim zu ersticken, dass keine Kenntniss über den Zustand des Kindes bekannt war! Sollte die Schule eine Schulpsychologin / Schulpsychologe vorschlagen, nehmen Sie das ruhig in Anspruch. Denken Sie aber daran, dass Schulamt ist der Arbeitgeber.
Sie können sich natürlich selbst Psychologen suchen, aber die Wartezeit beträgt oft zwischen 6-12 Monate. Bei akutem Mobbing kann diese Zeit sehr viel kaputt machen. Ich möchte ehrlich sein, versprechen Sie sich nicht zuviel davon. Uns blieb nur der Weg in die Psychatrie. In den sechs Monaten wurde unserem Kind sehr geholfen, aber nur durch einen Umzug, sowie einen Schulwechsel hatte er die Chance zur Ruhe zu kommen. Es gibt leider nicht den einen RICHTIGEN Weg aber es gibt viele, die manchmal auch in einer Sackgasse münden. Denken Sie immer daran: Es geht um Ihr Kind, um seine Zukunft.
Geben Sie Niemals auf!